Vorwort

Viele kennen Es und allen Anderen kann ich „Wer ja sagt darf auch Tante Inge ausladen“ sehr empfehlen. Als ich das Buch gelesen hatte, dachte ich nur „Mist! Da war Einer schneller“. Fast alle von den schauerlich witzigen Erlebnissen dieses Hochzeits DJs habe ich ebenfalls schon erlebt. Ein zweites Buch im gleichen Stil zu schreiben wäre natürlich ziemlich doof. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen die lehrreichsten Stunden meines DJ Daseins für die Nachwelt zusammenzufassen.

Selbstverständlich werdet Ihr im Folgenden keinerlei Namen von Paaren/Veranstaltern, Gästen oder Locations finden. Niemand soll hier bloßgestellt werden. Die Storys sollen lediglich zum Nachdenken anregen um diverse Fauxpas auf der eigene Feier zu vermeiden. Wenn ich aber genau darüber nachdenke hat gar nicht jede der folgenden Geschichten das Zeug dazu dem Leser einen Aha Effekt zu verschaffen. Vielmehr ist es eine Sammlung meiner Erlebnisse die, falls kein Lerneffekt vorhanden ist, definitiv zum Unterhalten, Kopfschütteln (oder beidem) taugt!

Die Seite mit den Tipps für Veranstalter/Brautpaare auf meiner Webseite ist letztlich das Konzentrat aus all diesen (teilweise schmerzlichen) Erfahrungen. 😉

Die Erleuchtung
Es war einmal eine Sportgaststätte. Das Ambiente rustikal, die Bedienung ebenfalls. Dass in einer solchen Location kein dimmbarer Kronleuchter hängt dürfte Jedem klar sein. Hier jedoch feinste OSRAM Leuchtstoffröhren mit Intensivstation-Ambiente. Auch der ängstliche Blick an die Wände in der Hoffnung ein paar warm leuchtende Wandleuchten zu erspähen wurde bitter enttäuscht. Nun wäre das Alles nicht weiter schlimm, denn ich klammerte mich immer noch an die Hoffnung das die Dinger ja auch einen AUS Schalter haben. Und da Kerzen (u. meine Lichtanlage) ja bekanntlich ebenfalls dazu neigen Licht abzugeben, war dieser Schalter mein letzter Strohalm. Leider hatte ich meine Rechnung aber ohne die Bedienung gemacht, die mir unmissverständlich klar machte, dass es ihr ohne die Leuchtstoffröhren zu dunkel wäre. Bei manchen bayerischen Bedienungen, sagt einem der Überlebensinstinkt: „wiedersetze dich nicht!“. Entsetzt habe ich dann aufgegeben und mich meinem Schicksal gefügt, zumal auch dem Brautpaar ziemlich gleichgültig war dass Jeder auf der Tanzfläche die Erleuchtung fand.

Der Hausdrache
Ein grooooßer See in Bayern und eine sehr edle Herberge die, wohl um Dies hervorzuheben, sich mit einem „Villa“ im Namen schmückte. Es war eine kleine Hochzeit. Dementspr. war auch der Saal klein. Jedoch zu klein um darin zu tanzen. Stattdessen war vorab bereits verabredet worden dass die Tanzfläche in den Rezeptionsbereich verlegt wird. Soweit so gut. Ich bin mittlerweile schon viele ungewöhnliche Locations gewohnt und finde eigentlich immer ein gute Möglichkeit die Musikanlage so aufzubauen dass weder Tote zu befürchten sind, noch der Fokus des Betrachters auf der Technik ruht. In diesem Fall wurde mir von der Chefin „verordnet“ mein Mischpult hinter der Rezeption (die zu dem Zeitpunkt schon geschlossen war) aufzubauen. Das war übrigens der Erste Satz. In Mitteleuropa könnte man vermuten das dem eine Begrüßung voraus geht. Naja. Nach diesem ersten Satz hatte ich zum zweiten Mal mein Glück versucht mich vorzustellen. Keine Chance! Der Zweite Satz war ebenfalls mehr als deutlich: „Ich sage Ihnen … das hier ist Mahagoni Holz! Wenn Sie da EINEN KRATZER rein machen!!!“. Ich wollte sofort erwidern dass ich sehr aufpassen werde und auch eine Schutzdecke dabei hätte. Ebenfalls keine Chance! Denn es ging gleich weiter mit: „Und das Telefon hier wird übrigens abgesperrt“. Da hatte ich dann die Chance einer Lautäußerung. Bei so viel Freundlichkeit konnte ich dann nur noch mit einem Lächeln sagen, dass sie sich keine Sorgen machen bräuchte, da ich definitiv mit meinem eigenen Handy telefonieren würde. Das schafft schon mal eine ausgezeichnete Basis für eine gute Zusammenarbeit. Bevor die Gutsherrin entschwand sagte sie mir noch dass auf keinen Fall irgendein Kabel auf dem Boden liegen dürfe. Ich habe dann scharf nachgedacht. Da ich also an einer Türe vorbei musste, der Boden jedoch nicht in Frage und Funktechnik (im Gegensatz zu heute) noch unerschwinglich war, blieb nur noch die Möglichkeit das Kabel um den Türstock herum zu verlegen. Das ist weder einfach, noch schön anzusehen, aber die Physik ließ mir keine andere Wahl. Kaum hatte ich mein Kunstwerk vollendet, stürmte der Hausdrache herein und fragte mich in dem bekannt angenehmen Ton, was ich mir eigentlich einbilde und dass das Kabel dort sofort runter müsse. Ich habe Ihr dann erklärt dass es ohne Kabel schwer geht, was sie jedoch nicht zu interessieren schien. Gut! Dann eben nur mit EINEM Lautsprecher, dachte ich mir und begann die schicken Klebestreifen wieder zu entfernen. Da es sich aber begab dass der Türstock ein ähnlichen Alters wie die Hausdame aufwies, löste sich unverschämter Weise beim abziehen ein kleines Stückchen von dem 5 – fach überpinselten Lack. Das war mein Todesurteil. Vor allen Hotelgästen die sich gerade in der Lobby befanden wurde am DJ ein Exempel statuiert. Zusätzlich wurde auch noch die junge Stellvertreterin herbei zitiert um der Schlachtung beizuwohnen und um zu „lernen“. Die dann mit den Worten: „Sie ersetzen mir den Schaden! Ich hoffe für sie dass sie versichert sind.“ begann. Und mit den Worten: „Und Frau xxxx??? Was haben wir daraus gelernt? Ab sofort legen bei uns nur noch DJs auf die unser Haus kennen“ endete. Seltsamerweise hatte aber der Türstock noch diverse andere Schrammen aus der Vergangenheit. Ich habe dann erwidert dass ich den Schaden selbstverständlich übernehmen werde, mir jedoch vorbehalte zu prüfen ob auch wirklich nur die besagte Stelle (und nicht der gesamte Türstock) ausgebessert wurde. Unerklärlicherweise habe ich nie wieder etwas von dieser Forderung gehört. Spontan fiel mir dazu nur “Menopause” ein. Als die Party dann letztendlich begann und mir das (sehr nette) Brautpaar wohl ansah dass mir ne Laus über die Leber gelaufen war (was ich stets zu vermeiden versuche), hat der Bräutigam wohl (ohne mein Beisein) die Chefin ebenfalls etwas zusammengefaltet und ihr zu verstehen gegeben dass das kein Umgang sei. Von dieser Location bin ich jedenfalls geheilt!

Ich habe tatsächlich einige Jahre später eine weitere Anfrage für dieses Hotel erhalten und habe diese Geschichte dem Brautpaar erzählt, wissend dass ich dadurch Buchung verspiele. Das Paar hat mich dann mit der Begründung dass es wohl nicht sehr gut wäre wenn der DJ eine schlechte Einstellung zu einer Location hat, nicht gebucht. Was ich völlig verstehen kann. Aber einerseits wollte ich die Beiden nicht ins Messer laufen lassen und andererseits habe ich, um es klar zu sagen, überhaupt keine Lust dort jemals wieder aufzulegen. Dies ist glücklicherweise die einzige Location von der ich das in dieser Weise sagen muss.

Money, Money, Money
Im Offiziersheim einer Bundeswehrkaserne zu heiraten ist nicht Jedermann’s Sache. Ich hatte das Schlimmste befürchtet und wurde positiv überrascht – ein altes Gebäude mit durchaus Charme und sogar einem großen Kamin. Für eine nicht allzu große Gesellschaft genial! Um die Gage möglichst niedrig zu halten verkündete mir das Brautpaar freudig: “Eine Anlage ist bereits vorhanden”. Hmmmm. Nach reichlich Erfahrung mit derartigen “Anlagen”, löst so ein Satz regelmäßig Magenzuckungen bei mir aus. Nicht selten handelt es sich dann um eine Stereoanlage mit einem Bier – getränkten 2-Kanal Mischpult! Aber der Kunde ist nun mal König und bekommt das was er haben möchte.

Da ich also bei Aussagen wie oben tendenziell etwas misstrauisch werde und immer die (gute) Party im Blick habe, möchte ich nicht riskieren wirklich mit irgendeinem Schrott da zu stehen der nicht funktioniert, denn potentielle Kunden (Gäste) werden sich dann ihren Teil denken und hinterfragen bestimmt nicht den Grund für die miese Akustik/Technik. Zwar lade ich für einen Dumpingpreis bestimmt nicht mein ganzes Equipment ins Auto (billig ist eben billig), aber ohne meine kleinen Not-Boxen, hab ich mich dann doch nicht aus dem Haus getraut. Also ab ins Auto und auf zur Kaserne. Nachdem ich wider erwarten von der Soldatin am Kasernentor ohne Leibesvisite und Auto-Röntgen durchgelassen wurde, bestand die erste Prüfung darin die Location auf dem sehr weitläufigen Gelände zu finden. Gut dass ich selbst Gevatter Staat gedient habe und so manchen Orientierungsmarsch hinter mir habe. Diesmal also nicht mit Grünzeug, Knarre und Karte sondern mit Touran, Musikanlage und GPS 🙂 in “Marschgeschwindigkeit” Richtung Location. Dann kam das große Entsetzen! Dort angekommen hat sich mein Vorurteil bezüglich “Anlage vorhanden” voll und ganz bestätigt! Es waren zwei eckige Dinger, die irgendwie nach Lautsprechern aussahen, 20cm hoch und 10cm breit waren. Die würde ich nicht mal meiner Oma zumuten, wenn sie noch leben würde, um damit Bayern 1 Schlager zu hören. Tja dann habe ich doch zu meinen Boxen gegriffen. Gedankt haben es mir, wie schon vermutet nicht das Brautpaar sondern die Gäste indem sie Visitenkarten haben “mitgehen” lassen. Also Vorsicht! Kosten drücken um jeden Preis, kann auch ziemlich ins Auge gehen, nämlich dann wenn der DJ Dienst nach Vorschrift macht.

Eins, Zwei, Polizei
Nicht nur als DJ erlebt man Einiges. Auch Wirte sind meist nicht viel besser dran. So erzählte mir auch die Wirtin eines tollen Stadl’s in dem ich öfters auflege, dass sie für die damalige Hochzeit so viel Alkohol vorab bestellen musste wie noch nie. Das ist generell schon mal kein gutes Vorzeichen und erzeugt leichte Nervosität. Allerdings hofft man eben dass die wandelnden Bierfässer letztlich eher zu Müdigkeit anstatt zu Aggression neigen. Na jedenfalls ging die Party los und ich war positiv überrascht. Das dicke Ende sollte jedoch noch folgen! Nach einer genialen Party, begab sich die Braut morgens um (wohlgemerkt!) 4 Uhr dann ans Mikrofon, bedankte sich bei den Gästen für das tolle Fest und verkündete  dass sie und ihr Mann nun die Reste der Hochzeitsnacht genießen werden. Dann sagte sie aber noch einen Satz der mir schlagartig das Blut in den Adern schockgefrieren ließ: “Und ihr geht jetzt bitte Alle heim OHNE Stress zu machen”. Sie wusste wohl wovon sie sprach! Da ich vor Ort übernachtete war mein Plan, den Stecker zu ziehen, ins Bett zu fallen und am nächsten Tag abzubauen. Diesen Plan hatte ich aber leider ohne einen freundlichen Herren, der medizinisch gesehen eigentlich schon im Koma hätte liegen müssen, gemacht. Meine zunächst höfliche Bitte doch von der Bühne Land zu gewinnen und die unkontrolliert schwingenden Greifwerkzeuge doch bitte von meiner Anlage zu entfernen, wurde mit einem: “EEEEEYYYYYY DJ JETZ KANN DOCH NET SCHO SCHLUSS SEI” quittiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde es draußen übrigens bereits hell. Leider wurde die Situation immer heikler und ich hatte gedanklich bereits die 110 in mein Handy eingetippt und mich dann doch entschieden die Anlage abzubauen, denn den verbleibenden Pappnasen konnte man leider ebenfalls nicht trauen. Um das Ganze komplett zu machen landete besagter Herr auch noch mit seinem Denk(?)organ in den Resten der Hochzeitstorte, woraufhin die Bedienung zum Frühstück den Gästen den Wunsch nach einem Stück von der Hochzeitstorte, mit dem Hinweis auf das kleine Maleur, abschlagen musste. Ja ja … der Alkohol.

Fußball
Fasching in einem Münchner Lokal! Einmal im Jahr darf man auch schmerzfrei sein. Und das ist gut so. Besonders wenn 4 x “Atemlos Durch Die Nacht” gefordert wird. Wurscht! Is halt Fasching! Nun sind in München ja bekanntlich verschiedene, mehr und weniger erfolgreiche, Fußballclubs beheimatet. Somit ist die Chance nicht ganz gering Gäste der Spezies “Homo-Fußballus” (umgangssprachlich: “Fußballfan”) in einem Münchner Lokal anzutreffen. In der Regel heilt der Alkohol so manche Wunde und es lässt sich prima mit dieser Spezies feiern. Kritisch wird die Sache allerdings sobald eines dieser Individuen den DJ eindringlich, erst bittet, dann drängt, die Sauf-Hymne des jeweiligen Clubs zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt hätten bei mir schon alle Alarmglocken schrillen müssen. Das taten sie auch. Der Alarm wurde allerdings von einem zuckersüßen Gesäusel der Freundin, des Individuums abgestellt und als Folge der irrationalen Handlung landete der Song, für mich bis heute noch unerklärlich, im Deck der DJ Software. Ich schien den Nerv der Glückseligkeit getroffen zu haben! Ich musste aber anscheinend auch noch einen anderen Nerv bei einem Gast getroffen haben, der nicht so sehr viel mit Glückseligkeit zu tun hatte. Eine Minute später, gerade als ich triumphierend auf die Crowd blickte, erschien ein Mann vor mir und lallte etwas davon dass ich den Song sofort stoppen solle. Tja, wenn die Meute auf der Tanzfläche tobt, ist so ein 3 Promille Spruch ein schwaches Argument für mich. Es dauerte aber nicht lange, da lieferte er mir ein weiteres Argument. Dieses mal ein schlagkräftigeres, wie ich zugeben muss. Nämlich mit einem Knall auf die Wange. Auch das Displayscharnier des Laptops musste leiden und zog sich eine Bänderdehnung zu. Ich konnte das Laptop gerade noch davor bewahren seine Lageenergie zu vernichten und auf der Tanzfläche einen Krater zu schlagen. Glücklicherweise wurde dieser treue Fan dann doch recht schnell von anderen Gästen zur Tür “gebeten”. Für mich ist das Thema “Fußballsongs in der Öffentlichkeit” definitiv abgehakt!

Netter Versuch
Wenn ich in einer Location aufschlage wo ich das Personal gut kenne und schöne Erinnerungen an geniale vergangene Feste habe, ist auch bei mir die Vorfreude besonders groß. So auch dieses Mal vor einiger Zeit in einem gemütlichen Stadl. Das Brautpaar locker. Die Gäste augenscheinlich auch. Was will man mehr? Soweit so gut. Die positive Grundstimmung hat sich auch den ganzen Abend hindurch gehalten und ich wurde nicht enttäuscht. Eine super Party! Man fragt sich nun wo das Problem liegt. In diesem Fall kam es erst im Nachhinein. Es war verabredet dass das Paar erst 3 Wochen in die Flitterwochen fährt und anschließend den vereinbarten Betrag überweist. Ebenfalls noch kein Problem. Da nach 5 Wochen jedoch immer noch keine Rückmeldung, geschweige denn das Geld da waren und ich mich nicht erinnern konnte Irgendetwas von einem Flugzeugabsturz in den Nachrichten gehört zu haben, hatte ich doch das Bedürfnis dezent nachzufragen. Keine Reaktion! Hmmm … seltsam. Da weder SMSn noch Emails Wirkung zeigten griff ich zum Telefon um auf diesem Wege zu versuchen das Paar zu erreichen. Was ich dann zu hören bekam fühlte sich ungefähr so an als ob Jemand einen Eimer mit Eiswasser auf die Eingangstür gestellt hätte und jemand Anders einem quasi zeitgleich ein glühendes Hufeisen auf den Allerwertesten drückt.

Die Braut machte mir klar dass ihr die Musik überhaupt nicht gefallen hätte. Seltsam nur dass die Tanzfläche immer gut gefüllt war und Niemand irgendeine Beschwerde geäußert hatte. Außerdem beschwerte sie sich dass sie Pink Fan wäre und ich nur einen Song von Pink gespielt hätte. Dummerweise zeichnet aber die DJ Software jeden Song der gespielt wurde in einem Logfile auf und da standen seltsamerweise dann doch 3 Songs von Pink drin. Auch dieses Argument konnte ich also glücklicherweise entkräften. Zwar merkte man ihr an dass ihr langsam die “Probleme” ausgingen. Eines fand sie jedoch noch. Ich wäre überhaupt nicht auf die Gäste eingegangen kam dann noch als Vorwurf. Doch auch da konnte ich mich dunkel erinnern mehrere Musikwünsche erfüllt zu haben und dass ihr, zu diesem Zeitpunkt (3 Uhr) schon ziemlich betrunkener Bruder, mit seinem Laptop voller abstruser Songs vorbei kam (ok, ist Geschmacksache) und ich beide Hühneraugen zugedrückt habe und ihm erlaubt habe seinen Rechner an meine Anlage anzuschließen. Nichts gegen Laptops u. iPhones von Gästen. Das Problem ist nur wenn man das einmal macht, reißt das augenblicklich ein und ab diesem Zeitpunkt weiß jeder Gast am besten was die restlichen Gäste hören wollen. Die Musik fand aber leider bis auf ihn selbst keinen Abnehmer. Aber was tun? Schließlich möchte man es sich ja nicht ausgerechnet mit den Angehörigen der Braut verderben. Also Augen zu und durch. Das Telefongespräch wurde daraufhin von ihr beendet.

Ich stand also da wie ein (mit Eiswasser) begossener Pudel … ach ja, und nicht zu vergessen mit dem glühenden Hufeisen am Hintern! Das ist quasi der Worst Case den man sich als DJ vorstellen kann. Leider bin ich nicht eingebildet genug um zu behaupten “an mir kann es nicht gelegen haben”. Aus diesem Grund hinterfrage ich Alles. Um mir noch eine zweite Meinung einzuholen habe ich sogar den Wirt des Stadl’s, der mich gut kennt, angerufen und gefragt ob ihm denn aufgefallen wäre das IRGENDETWAS anders gewesen wäre als sonst. Aber auch hier glücklicherweise Fehlanzeige. Es musste sich wohl um einen besonders genialen Versuch handeln die Zeche zu prellen.

Ich habe dann eine Woche später noch einmal höflich darauf hingewiesen dass ich die vereinbarte Zahlung erwarte. Erneut keine Reaktion. Als ich dann noch eine Weiter Mail mit, immer noch höflicher, aber wesentlich deutlicherer Wortwahl verschickt hatte. Erhielt ich eine Mail mit den Worten:  “Wir haben Dir das Geld überwiesen, aber nur aus Kulanz”. Schön dass es noch großzügige Menschen gibt. Ich werde in ewiger Dankbarkeit verharren.

Bei Abflug der Sicherung ist mit Stromverlust zu rechnen
Als gebranntes Kind betreibt man lieber Vor- anstatt Nachsorge. Zwar bin ich bzw. meine Anlage sehr genügsam was den Verbrauch elektrischer Energie angeht, aber ganz ohne wird’s dann doch schwierig. Zu den zwar lästigen, aber lösbaren Problemen gehört dass die jeweilige Steckdose nicht eingeschaltet ist. Der geniale Trick besteht dann darin einen technisch versierter Mitarbeiter des Hauses zu finden bei dem der Anblick einer Steckdose einen Deja-vue Effekt und nicht entsetztes Haareraufen auslöst. Die Zeitspanne hierfür variiert zwar erheblich, bleibt aber meistens in einem halbwegs erträglichen Rahmen.

Zu den technisch anspruchsvolleren Fragen gehört dann schon die Rückversicherung meinerseits, ob denn noch andere Verbraucher an diesem Stromkreis angeschlossen sind. Man will ja ausschließen dass exakt beim Brautwalzer die Sicherung fliegt. Erstaunlich wenig Zweifel lassen die Angestellten dann meist mit einem grammatikalisch anspruchsvollen Satz wie: “passt scho” aufkommen. An diesem Punkt werde ich mittlerweile hellhörig. Meine Frage kommt nämlich nicht ganz von Ungefähr. Es ist ja nicht so als dass man es nicht schon erlebt hätte, dass nachmittags alles prima funktioniert, unerklärlicherweise dann aber genau beim Brautwalzer in dem Moment wenn man die Lichtanlage einschaltet plötzlich alles dunkel wird. Meist kann das Mysterium jedoch durch eine hinterlistig eingeschaltete Kochplatte in der Küche, die dummerweise eben doch an dem gleichen Stromkreis häng, aufgeklärt werden. In diesem Moment dann mit der Taschenlampe verzweifelt nach dem Sicherungkasten zu suchen, während alle Gäste an der Tanzfläche warten und das Brautpaar in “Startposition” steht, erzeugt einen Adrenalinschub der schwer zu toppen ist! Nachfragen macht also klug … manchmal.

Gage … ist relativ
Es passiert selten, aber bei manchen Anfragen meint man als DJ den lieben Gott am kleinen Finger gepackt zu haben. Besonders wenn man, wie ich damals, 10 Jahre jünger ist und das Angebot bekommt auf einer “Lady’s Night” aufzulegen. Bingo! Zugegeben, der Veranstalter machte einen etwas zwielichtigen Eindruck auf mich, da die Anfrage aber über einen Kollegen an mich vermittelt wurde, dachte ich “wird schon passen”. Zudem war die Location per U Bahn erreichbar (Anlage bereits vorhanden) und ich musste nur meinen CD Koffer packen und los düsen.

In München würde man sich nun vermutlich vorstellen dass es sich um eine Veranstaltung handelte die von einem Radiosender promotet wurde, zumindest aber eine Anzeige in der Zeitung gestanden hätte. Ok, das war nicht der Fall. Ob es sich allerdings lohnt eine derartig Party in einer Location zu veranstalten, in die gefühlt 20 Gäste passen und vor deren Eingang ein Schild mit “Heute Lady’s Night” steht, sei mal dahin gestellt. Erheblich Zweifel am Erfolg dieser Veranstaltung drängten sich mir also gleich beim Betreten der Location (in diesem Fall wohl eher “des Ladens”) auf. Da ich mir aber angewöhnt habe eine Party erst dann zu beurteilen wenn spät abends oder früh morgens der letzte Mischpultregler wieder auf Null steht, habe ich versucht das Ganze positiv anzugehen.

Was soll ich sagen. Wenn in eine erschreckend kleinen Location auch noch erschreckend wenig Gäste (gefühlte 10 Stück) kommen, ist das für einen DJ doch etwas beängstigend. Naja, Auftrag ist Auftrag und so machte ich eben das Beste daraus. Als das Trauerspiel dann um 1 Uhr nachts beendet war packte ich mein Zeug zusammen und fuhr nach Hause.

Viele Tage später wartete mein armes Konto leider nach wie vor vergeblich auf das versprochene “Futter”. Auf meine Nachfrage hin, bekam ich die Antwort, dass es aufgrund der geringen Gästezahl nicht möglich wäre mir die versprochene Gage auszuzahlen. Stattdessen wurde mir ein Gutschein für ein Hotel in der Türkei angeboten. Ähm … ! Ich hatte dann die Dreistigkeit zu behaupten dass ein Festpreis nun mal das wäre was die Bezeichnung ausdrückt und dass, so Leid es mir tut, in einem solchen Fall nun mal der Veranstalter das Risiko dafür trägt, wenn kaum Gäste auftauchen. Anders sähe es natürlich aus wenn viele Gäste aufgetaucht wären und anschließend fluchtartig die Location wieder verlassen hätten. Dann hätte ich mir den Schuh anziehen müssen. Das war aber glücklicherweise nicht der Fall. Somit beharrte ich also auf der ausgemachten Gage. Die darauf folgende Antwort erhielt ich als Mails Weiterleitung über den Kollegen der mir den Auftrag vermittelt hatte. Sie hatte in etwa den folgenden Wortlaut:

“Der Herr studierte Abiturient muss halt kapieren dass nur 10 Gäste da waren und dass ich ihm da nicht die volle Gage zahlen kann!”

Nun habe ich aber eine Akademie besucht und nicht studiert und kann auch nur mit Fachabitur dienen. Einem so viel Bildung zu unterstellen ist eine bodenlose Frechheit! 😉 Fakt ist, dass ich auf mein Geld noch heute “warte” und der Ausdruck “Lady’s Night” bei mir auch ohne Pils, einen ziemlich bitteren Geschmack im Mund verursacht.

Der Hellseher
Zugegeben! Die Folgende Story ist meine Lieblingsgeschichte, wenn es darum geht den Paaren beim Vorgespräch den absoluten Worst Case aufzuzeigen. Sie ist zwar schon etwas abgedroschen, erreicht aber meiner Ansicht nach auf der Kopfschüttelskala immer noch eine klare 10 mit Stern! Und ist in den letzten 10 Jahren (zum Glück) nicht getoppt worden.

Wie gesagt, man sollte eine Feier erst beurteilen wenn der letzte Gast gegangen ist. Deshalb dachte ich mir auch nicht sehr viel dabei als sage und schreibe 20 Gäste bei dieser Hochzeit in der Location aufschlugen. Zwar war das wirklich die mit Abstand kleinste Hochzeit die ich je erlebt hatte, aber manchmal tanzen eben 20 Gäste mehr als 100. Somit jagte mir also diese Mini-Hochzeit vorerst keinen Schrecken ein. Interessant ist noch zu erwähnen dass die Braut aus Moldavien kam. Natürlich hatte ich bereits beim Vorgespräch erklärt dass ich keine moldavische Musik hätte. Das stellte sich aber als unproblematisch heraus, denn die Braut erklärte sich sofort bereit entspr. Songs beizusteuern. Auch sonst verlief das Vorgespräch absolut normal und angenehm. Die gängigen Genres wurden ebenfalls gewünscht, also kein Grund zur Beunruhigung … das sollte sich aber noch ändern!

Ein beklemmendes Gefühl machte sich am Nachmittag dann in mir breit als ich merkte dass sich die Gäste ÜBERHAUPT NICHTS zu sagen hatten. Wäre da keine Hintergrundmusik gelaufen, hätte man wortwörtlich eine Stecknadel fallen hören können. Sehr seltsam.

Nach dem Abendessen ging die Party dann los … oder soll ich lieber sagen: Ich begann die gegenüberliegende Wand zu beschallen. Es war absolut nichts zu machen. Weder die verabredeten Musikrichtungen, noch die moldavischen Songs fanden Anklang. Meine einzige Hilfe war das Hotelpersonal, welches am Eingang mit wippte. Als ich die Angestellten mit einem Augenzwinkern auf die Tanzfläche bitten wollte, sagten sie mir dass ihnen das leider nicht erlaubt wäre und somit bekam lediglich das Ziegelwerk auf der anderen Seite des Raumes meine geballte Musikladung ab. Nach einer Phase von kurzzeitiger Verzweiflung hatte ich mich wieder gesammelt und mir klar gemacht dass Musik auflegen nichts mit zaubern zu tun hat. Mehr als Das spielen was ausgemacht war geht einfach nicht.

Bevor ich zum dicken Ende komme sei noch erwähnt dass sogar der Chef der Braut eingeladen war. Der hatte den ganzen Abend nichts anderes zu tun als mich in einem Chef-ton zu fragen was ich denn nun endlich unternehmen würde, da ja niemand tanzt. Auf meinen Gegenfrage, er solle doch einen (musikalischen) Vorschlag machen, kam aber wenig Konstruktives. Ach ja und irgendwie machte sich auch ein seltsamer Kanabisgeruch in der Bude breit.

Dieses seltsame Event musste man wohl leider abhaken! Da war absolut nichts zu machen. Da ich praktischerweise vor Ort übernachtet hatte, hatte ich nur den Stecker der Anlage gezogen und das Equipment am nächsten Tag kurz vor dem Frühstück abgebaut. Anschließend ging ich zum Frühstück. Es war ein schöner Tag, blauer Himmel, Sonne. Zufällig saß ich neben dem Brautpaar und stellte den Beiden die heuchlerischen Frage, ob denn Alles gepasst hätte. Was dann kam sucht immer noch seinesgleichen!

Die Trennung eines Paares im Rosenkriegstil könnte nicht schlimmer sein. O-Ton Braut vor allen Gästen an meine Adresse gerichtet: “Die Musik war Sowas von sch….”. Zuerst dachte ich dass es sich um einen Spaß handeln müsse, aber der Ton in dem die frisch vermählte blonde Lady das von sich gab, ließ mich dann doch erschaudern! Auf meine vorsichtige Frage hin, weshalb sie denn nicht am Abend gekommen wäre und sich beschwert hätte, kam ein Satz der mir bis heute zeigt dass das logische Denken beim Menschen nicht notwendigerweise angeboren ist. Sie warf mir allen Ernstes an den Kopf, dass es nicht ihr “Job” wäre mir zu sagen welche Musik ihr nicht gefällt. Ich stelle mir da immer vor, dass ich zum Arzt gehe und sage: “Herr Doktor mir tut was weh, aber SIE müssen rauskriegen was es ist”! GEHT’S NOCH???

Naja, jedenfalls habe ich dem Trauerspiel dann schnell ein Ende gemacht indem ich der Braut klar gesagt hatte, dass das A) überhaupt kein Stil ist einen vor versammelter Mannschaft zur Sau zu machen und es B) niemals soweit hätte kommen müssen, da das auch für mich der Super GAU ist. Ein kurzes Lächeln konnte ich mir aber nicht verkneifen als ein Gast zur Braut sagte:

“Ich weiß gar nicht weshalb du dich so aufregst! Wir haben uns xy gewünscht, das hat er auch gespielt … war doch ok!”. Interessanterweise haben mich zwei andere Gäste im Gehen noch um eine Visitenkarte gebeten, und auch der Hotelchef fragte mich wann ich denn das nächste Mal wieder da wäre. Als ich dann im Auto saß und das Navi einstellte, kam der Bräutigam 2cm groß (mit Hut) raus um sich zu entschuldigen. Wer die Hosen in dieser Beziehung an hatte (oder noch hat?) war klar! Der Ärmste hatte wohl nicht viel zu melden.

Auf dem Rückweg hatte ich dann einen guten DJ Kollegen von mir angerufen und ihn um psychologische Unterstützung gebeten, die er mir dann auch auf erstaunlich einfache Weise zukommen ließ. Seiner Meinung nach konnte es nur zwei Erklärungen geben:

  1. Das Paar wollte die Zeche prellen
  2. Die Hochzeitnacht war sch……ön

Es klingt absurd, aber diese Erklärungen haben tatsächlich dafür gesorgt, dass mir diese Sache nicht zu sehr an die Nieren ging, denn So was nimmt man dann doch ziemlich persönlich. Schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht gerade erst 2 Auftritte hinter mir und verstand mein Geschäft schon recht gut.

Die Gage habe ich übrigens tatsächlich bekommen. Allerdings ebenfalls auf sehr seltsame Art und Weise. Nämlich 50% vom Bräutigam und 50% von der Braut! Das nenne ich mal “klare Verhältnisse”!

Wer nicht feiern will … sollte es besser lassen!
Wenn Jemand eine Feier plant, könnte man als Gast vermuten dass dieser Jemand alles in seiner Macht stehende tut um daraus ein wirklich tolles Fest werden zu lassen, welches den Gästen in Erinnerung bleibt. Die Sache mit dem “in Erinnerung bleibt” schafft man aber auch anders!

Es ist zwar kein Verbrechen im Januar einen runden Geburtstag zu feiern. Wenn in der Location allerdings Temperaturen von (gefühlt) unter 10 Grad herrschen und besagte Location nicht nur den Charme einer Großmarkthalle hat sondern auch tatsächlich eine ist, dann schon! Erschwerend kommt hinzu dass meine Neonröhrenphobie wieder voll zugeschlagen hat. In diesem Fall baumelten die guten Stücke sogar völlig unverkleidet an Strippen von der Decke herab. Um auch nicht die geringste Hoffnung aufkommen zu lassen dass es sich vielleicht doch um eine irgendwie geartete coole Partylocation handelt deren tieferen Sinn ich lediglich noch nicht begriffen hatte, stand im Eck auch noch ein knallgelber Gabelstapler und auch ein Gulli mit Abflussrinne war stilecht betoniert.

Über die Akustik zu lästern spare ich mir jetzt mal, denn diesbzgl. ist ein DJ sowieso nie zufrieden, aber solche Hallen sind akustisch definitiv eine Herausforderung an Equalizer & Co. . Der absolute Hammer betraf aber ein Sinnesorgan des Menschen welches auf Partys normalerweise am wenigsten “leiden” muss. Es sei denn, es handelt sich um einen prügelheissen Tag und das Deo mancher Gäste ist ausgegangen oder man erhält (sehr persönlich) Musikwünsche ins Ohr geflüstert, vorzugsweise nach dem Käsebuffet um 0 Uhr, ansonsten kann auch der Rotwein geruchstechnisch dem Käse absolut das Wasser reichen! Dass alles ist aber NICHTS gegen den folgenden Fauxpas.

Großmarkthallen sind, wie der Name schon ausdrückt, dafür da um mit Waren, typischerweise Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch zu handeln. Wenn ich das so ausführlich aufzähle, kann man wohl schon erahnen um was für eine Halle es sich in diesem Fall gehandelt hat. Genau! FISCH! Die außerordentlich strenge Geruchsnote war wahrlich schwer zu ertragen.

Nachdem auch der Magen der Gäste leer zu bleiben drohte, da der Gashahn am Grill nicht in der gedrückten Position halten wollte, konnte ich glücklicherweise mit zwei Kabelbindern Abhilfe leisten, sodass zumindest Niemand hungrig blieb und die Party starten konnte. Naja “Party” ist vielleicht etwas übertrieben, denn die meisten Gäste (einige mit Kindern) blieben, wohl anstandshalber bis 23:30 Uhr und suchten dann das Weite. Und ich kann mit gutem Gewissen behaupten dass es nicht an der Musik lag. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst einige wenige Songs gespielt. Ich stand also da mit Hemd, Pulli und Winterjacke und habe mir die Hände an der Unterseite des Mischpults gewärmt. Widerwillig habe ich dann abwechselnd eine Hand hervor gezogen um kurz den nächsten Song einzulegen, nur um sie anschließend gleich wieder unter das Mischpult zu schieben.

Anmerken sollte man dass immerhin Decken zur Verfügung standen die dafür gedacht waren auf einer ca 70cm hohen Betonbordüre ausgerollt zu werden um sich beim Aufstehen ohne Erfrierungserscheinungen von jener Bordüre wieder lösen zu können. Stühle und Tische gab es nicht.

Die Frage die sich mir zum Schluss stellte war, ob es vielleicht ein Wochenende davor oder danach noch eine weitere Party gab wo dann die beliebten Gäste eingeladen waren.

Helfer in der Not
Was wäre die Welt ohne ehrenamtliche Helfer! Ich war selbst einige Zeit beim Roten Kreuz als Sanitätshelfer tätig. Das hat viel Spaß gemacht, war aber manchmal auch ziemlich hart. Jedem der einen ehrenamtlichen Dienst verrichtet gebührt mein größter Respekt.

So gehören auch die Kollegen vom THW zu der Gruppe der Hardcorehelfer. Aber selbst wenn Bräutigam UND Braut beide beim THW arbeiten muss man vielleicht nicht unbedingt in einer (Geräte- ?) Halle des THW feiern. Der Ausdruck schmucklos war leider noch etwas zu hoch gegriffen. Das die meisten Gäste in THW Overalls auftauchten, mag man in diesem Fall vielleicht sogar noch als stilecht durchgehen lassen. Wobei … wenn ich’s mir genau überlege … doch nicht! Erschwerend kam bei der ganzen Sache hinzu dass es keine Toiletten im Saal gab. Natürlich hatte das THW mit einem entspr. Toilettenwagen am Hof vorgesorgt. Außerdem war es auch noch ein unglaublich kalter Tag. Auch da hatte das THW natürlich die besten Karten. Stromgenerator im Hof, armdickes Kabel im Treppenhaus, und eine Art elektrischer Ofen, mit dem man locker ein Bierzelt hätte heizen können. Das Alles fand ich dann schon wieder irgendwie passend. Zu erwähnen wäre auch noch dass mir die Braut anbot das Equipment zu schleppen … THW eben 🙂 … was ich aus Selbststolz dann doch dankend ablehnte. Erwähnenswert auch, dass die THW Gäste den Beiden, wie in ländlichen Gegenden üblich, einen Streich gespielt hatten, indem sie ihr Haus mit Sandsäcken hochwasserfest gemacht hatten. Praktischerweise wurde das auch fotografisch dokumentiert um auch den Gästen noch am gleichen Abend per Beamer den Spaß zu gönnen. Immerhin besser als rote Grütze in die Badewanne zu schütten, das Bett vors Haus stellen oder ähnlich dämliche Einfälle.

Die Handy – Seuche
Super praktisch sind die Dinger. Und ohne sie wäre meine Musikwunschwebseite nichts. Sie können aber durchaus zur Plage werden wenn ihre alkoholisierten Besitzer darauf bestehen dass ein “ganz guter” Song den Alle (!) mögen, von ihrem Handy gespielt werden soll.

Hier zeigt die Erfahrung ausnahmslos: Gib ihnen den kleinen Finger und sie wollen die ganze Hand. Wenn man das erste Handy angesteckt hat, hat man keine Argumente mehr den nächsten Möchtegern-Handy-DJ abzuwimmeln. Das ging neulich so weit dass, als ich nach dem 5. Handy versucht hatte das Ganze wieder einzudämmen, eine (nicht ganz nüchterne) junge Dame eine Visitenkarte nahm, darauf starrte und mich in einem sehr “freundlichen” Ton fragte ob ich auch eine Kommentarfunktion auf meiner Webseite hätte. Als ich dann die Vermutung äußerte dass sie doch lediglich einen Frust-Kommentar hinterlassen wolle, bejahte sie dies mit den Worten: “Ja klar, ich bin TOTAL UNZUFRIEDEN !!!”. Und das alles, weil ich ihr wirklich freundlich klar gemacht hatte, dass die Handystöpslerei auf Dauer unprofessionell ist weil Pausen u. schlechte Audioqualität eine Party kaputt machen. Von den “ziemlich speziellen” Songs mal ganz abgesehen. Das hatte ich natürlich nicht gesagt!

Mittlerweile lasse ich mir von den Veranstaltern vorab die Absolution erteilen, Gäste die Songs von ihren Handys gespielt haben möchten, freundlich abzuweisen.

Die Dame blieb dann übrigens (trotz der schlechten Musik) noch bis zum Schluss um 4 Uhr!

Die hohe Kunst der Dreistigkeit
Wenn jemand einen DJ bucht tut er dies i.d. Regel deshalb, weil er in der Tat möchte dass dieser die jeweilige Veranstaltung musikalisch versorgt … sollte man meinen. So meldete sich neulich Brautpaar bei mir. Wir hatten ein sehr nettes (aus Zeitgründen des Paares nur telefonisches) Vorgespräch, obwohl ich ein zusätzliches, persönliches Treffen mehrfach angeboten hatte. Die Buchung war also fix. Ungefähr einen Monat später meldete sich ein weiteres Paar für genau den gleichen Termin. Somit musste ich dem zweiten Paar leider absagen. Irgendwie hatte ich aber ein seltsames Gefühl im Magen und wollte doch nochmal von dem ersten Paar einen Bestätigung einholen. 1. SMS .. keine Antwort. Drei Tage später 2. SMS … keine Antwort. Einige Tage später 1. WhatsApp … keine Antwort. Dumm nur dass ich an der Empfangsbestätigung sehen konnte dass sie gelesen wurde! Grrrrrr! Nach eineinhalb Wochen 1. Anruf … niemand ging ran. Nach dem 2. Anruf rief mich der Bräutigam dann zurück und sagte dass es ihm Leid täte, sie wären soooo im Stress gewesen. Und er hätte erfahren dass Bekannte von  ihm eine Band organisiert hätten!!! Mal ehrlich! Außer Braut und Bräutigam bestimmt NIEMAND welche Band/DJ auf der eigenen Hochzeit spielt. Soweit kommt’s noch! Sehr schlechte Ausrede!

Abgesehen von dem unmöglich dreisten Verhalten dieser Beiden ist die Sache besonders ärgerlich, da ich dem anderen Paar deswegen abgesagt hatte. Ich hatte bereits in meiner ersten SMS ganz klar darauf hingewiesen dass ich eine andere Hochzeit abgesagt habe. Zu dem Zeitpunkt hätte ich vielleicht nachträglich doch noch zusagen können.

So viel Stress kann kein Mensch auf dieser Welt haben, als dass er nicht mal zwei Zeilen SMS oder WhatsApp tippen kann!!!  Mann kann doch nicht schlicht jeden Kontaktversuch einfach ignorieren! Das ist wirklich der Gipfel der Dreistigkeit!

Wet Wet Wet
… hat in diesem Fall nichts mit der etwas angestaubten Boygroup zu tun, sondern mit wesentlich ekeligeren Dingen. Haaaalt! Aber nun auch wieder nicht das woran Ihr gerade denkt!! 😉 Aber von vorn:

Ein Mikrofon ist dafür gedacht Schall aufzunehmen und in elektrische Signale umzuwandeln. Das tut es typischerweise am besten wenn man es nicht zu weit weg, aber auch nicht zu nahe am Mund hält. Da ich es auf Hochzeiten bei 99% der Sprecher(innen) / Sänger(innen) 😉 mit Gästen zu tun habe die noch nie ein Mikrofon in der Hand hatten, ist es mir im Zweifelsfall lieber wenn es zu nahe anstatt zu weit weg gehalten wird. Die meisten Gäste haben (wohl aus Nervosität) eher eine leise Stimme. Und obwohl ich wirklich jedes Mal (!) ausdrücklich darauf hinweise doch bitte nicht mit dem Mikrofon direkt vor den Lautsprechern zu stehen, scheinen sie die Gäste magisch anzuziehen. Spätestens wenn die Anlage einmal ordentlich „auf-pfeift“ (was ich am Mischpult stets nach Kräften zu verhindern versuche) weiß dann Jeder weshalb man nicht vor dem Lautsprecher stehen sollte. 🙂

Um zu guter Letzt auch die Herrschaften mit etwas feuchterer Aussprache abzufangen, habe ich einen sog. „Popschutz“ ( heißt wirklich so …  kein Witz! 🙂 ) auf dem Mikrofon. Das ist eine Schaumstoffhaube wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Diese dient eigentlich dazu sog. Pop-Laute, also Worte die mit „P“, „B“ etc. beginnen und Atem- bzw. Windgeräusche etwas zu dämpfen. Eignet sich aber auch hervorragend als Spuckschutz 🙂 und verhindert dass das Mikro vom Tisch rollt. Alles in allem eine praktische Sache.

Auf dieser Veranstaltung war es nun so dass ein älterer Herr eine Ansprache hielt, die zwar sicherlich gut gemeint, aber doch leider viel zu lang war und sich im Saal schon deutliche Hintergrundgeräusche bemerkbar machten. Immerhin wurde das Mirko in diesem Fall ordentlich nahe am Mund gehalten. Leider zu nahe wie sich später herausstellen sollte.

Als die Ansprache beendet war, brachte mir Jemand das Funkmikro zurück. Zuerst traute ich meinen Augen nicht. Die Schaumstoffhaube sah wirklich aus als ob eine Nacktschnecke drüber gelaufen wäre und erinnerte mich spontan an Kleinkinder die Ihre Umwelt hauptsächlich mit der Zunge entdecken. Mahlzeit! Nur gut dass ich diese Haube drauf hatte, sonst wäre die Mikrofonkapsel vermutlich hin gewesen. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Da ich dieses Ding keinem anderen Gast mehr zumuten konnte, bin ich erst mal auf die Toilette entschwunden und habe den Schaumstoff mit Seife (!) ausgewaschen!

Ich weiß ja mittlerweile dass in der Gastronomie ein extremer Aufwand bzgl. Hygiene getrieben wird, was auch gut so ist. Aber dass ich auch als DJ mal was „desinfizieren“ muss hätte ich nicht gedacht! 🙂

Ein unmoralisches Angebot
Den Anfangssatz: „Ich habe ja schon Vieles erlebt“ wollte ich mir immer für die mit Abstand krasseste Story aufheben. Allerdings neige ich dazu ihn häufiger zu verwenden. Auch für das folgende Erlebnis scheint er mir leider mal wieder angebracht!

Egal was man über DJs gehört hat, für die Meisten schwingen da Begriffe wie „Sonnenbrille“, „Goldkettchen“, „Arroganz“  „Sauferei“ und „Frauen“ mit. Auch wenn ich mich nicht zu diesem Schlag zähle habe ich doch manchmal mit diesen Vorurteilen zu kämpfen. Besonders der letzte Punkt lässt sich als Single auch schwer ausräumen. 🙂 Trotzdem hätte ich nie geglaubt jemals solch ein deutliches „Angebot“ zu bekommen wie neulich auf einer Feier. Es war noch gar nicht sooo spät, als eine sehr junge (und sehr betrunkene!) Dame mit südländischem Aussehen und folgendem Spruch auf die Bühne kam: „EEEEEEYYY DJ ….. HAAAAAAB gehört dass man Dir, wenn man einen Musikwunsch haben will, einen bl***en muss. Preisfrage welche 2 Buchstaben fehlen in diesem Wort??? 🙂 Als ich ihr dann freundlich sagte dass das heute ausnahmsweise nicht funktioniert, meinte sie nur ich solle gefälligst Hip-Hop spielen … „SOOOOONST komm ich wieder“. Tja vermutlich hatte sie wohl mit diesem „Angebot“ schon bei anderen DJ „Kollegen“ Erfolg! 😉

Eigentlich müsste ich diese „Methode“ in meine Rubrik der besten Musikwunsch –  Sprüche aufnehmen, aber ich lasse das besser mal, damit wenigstens diese Spruchsammlung jugendfrei bleibt! 😉

Who let the Kids out?
… frage ich mich schon auf manchen Veranstaltungen. Sie sind süß und werden später einmal unsere Rente bezahlen. Klar! Aber wieso sind Privatparties meist mit Narrenfreiheit für die Kleinen verbunden? Und wieso hat man bei manchen Eltern das Gefühl dass die Aufsichtspflicht nahtlos an den DJ übertragen wird, sobald sich der Spross in der Nähe der Technik befindet? Es ist gar nicht so sehr die Angst das Etwas kaputt geht, als viel mehr die Angst dass sich die Kinder verletzen könnten. Veranstaltungstechnik ist nicht wirklich zum spielen geeignet. Scharfkantige Metallteile und schnell rotierende Spiegelwalzen der Lichteffekte sind für Kinderhände wahrlich wie geschaffen!

Trotzdem versuche ich in so einem Fall das Beste daraus zu machen und denke dass es besonders kleinen Jungs Spaß machen könnte sich die vielen bunten „Lichter“ am Mischpult mal genauer anzusehen und auch mal „Play“ drücken zu dürfen. Schließlich wär’s ja für mich in dem Alter auch das Höchste gewesen mal in die Nähe von solch technischem Schnickschnack zu dürfen. Das Letzte was man mir in so einem Fall unterstellen kann ist, dass es sich hier um frühzeitige Kundenakquise handelt 🙂 🙂 🙂 Wenn diese Kids aus den Windeln raus sind und heiraten, dann werde ich wohl schon wieder in Welchen drin stecken. 😉

Anfangs macht es bei manchen aufgeweckten Kiddies auch Spaß Etwas zu erklären. Aber dann kommt meist der Klassiker: „Gib ihnen den kleinen Finger und sie wollen den ganzen Oberkörper“. Wenn alle 2min ein Stöpsel hinters Pult rennt ( und ich bei meiner Größe aufpassen muss nicht drauf zu treten 🙂 ) und überhaupt kein Verständnis dafür hat dass ich DEN angesagten Song in der 6-jährigen Szene um 23 Uhr bei voller Tanzfläche nicht spielen kann, würde ich mir dann doch öfters mal die Erlösung durch die jeweiligen Eltern wünschen, die leider viel zu oft ausbleibt.

99 Luftballons
Immer noch sehr beliebt! Ob als Raumdeko oder um Piloten zu verwirren werden sie immer wieder gern genommen. Vom Standardmodell über Herzerl bis zu … ähm … sagen wir mal „andere Symbolen“, ist Alles dabei! Ok, also von ein paar Luftballons sollte ein Flugzeug wirklich nicht abstürzen! Luftballons draußen steigen zu lassen ist absolut OK … obwohl die Flugsicherung das auch schon anders sieht. Was aber definitiv nervt ist wenn „Erwachsene“ mit extrem hohem Alkohol … ähm ich meine … Lässigkeitspegel irgendwann entdecken dass sie das was 5 Jährige können, schon lange selbst beherrschen. Nämlich die Dinger zum platzen zu bringen. DAS NEEEEERVT! Besonders wenn man wie ich aufgrund von nicht vorhandener Frau und Kind eine eher ruhige Umgebung gewohnt ist. 😉 Ja ja ja … jetzt hör ich schon die Rufe: „Ausgerechnet der DJ beschwert sich über Lärm“. Yepp tut er! Denn es sind zwei völlig verschiedene Stiefel ob man es musikalisch ordentlich krachen lässt oder diesen elenden Krach von platzenden Luftballons über Stunden hinweg hört. Abgesehen von dem Lärm reißt es mich dann nämlich immer am Mischpult mit dem instinktiven Gedanken dass es einen Lautsprecher oder eine Endstufe zerrissen hat. Sollte die Technik normal weiter laufen, kommt gleich der nächste schreckliche Gedanke: Irgendein Stativ/Lautsprecher ist umgefallen und hat einen Gast erwischt. Da ich natürlich für die Sicherheit meiner Aufbauten verantwortlich bin könnt Ihr Euch vorstellen wie angenehm das ist. Wenn Ihr also den DJs dieser Welt einen Gefallen tun wollt … lasst die Luftballons als Deko weg, denn früher oder später findet sich GARANTIERT Einer der damit anfängt und dann machen Alle mit … weil’s so schön lustig ist. 🙂

Preisfrage 1 …
Was sollte ein DJ am besten tun wenn er um 4 Uhr morgens beim Abbau der Technik, den Bräutigam tränenüberströmt vor dem Eingang der Location sitzen sieht und die Braut nicht auffindbar ist.

  1. Weiter Lautsprecher ins Auto einladen?
  2. Den Bräutigam trösten?
  3. An der Qualität seiner musikalischen Darbietung zweifeln?
  4. Sich dem Bräutigam schon mal für seine nächste Hochzeit empfehlen?

Preisfrage 2 …
Was sollte man in folgendem Fall tun: Man stelle sich vor dass die fantastische (unfehlbare!) Technik Schluckauf hat. Im Klartext: die DJ Software crasht mitten im Auftritt! In der Regel hat man als DJ in so einer Situation einen gaaaaanz kleinen Adrenalinschub. Natürlich entschuldigt man sich dafür in Richtung Publikum, und ist bemüht die Kiste so schnell wie möglich zum Laufen zu kriegen. Nun stelle man sich weiter vor dass eine Dame die schon den ganzen Abend über durch leichte Aufsässigkeit aufgefallen war, in dieser Minute die das Laptop zum Neustart braucht, mit folgendem Satz (im genervten Ton) zum DJ kommt: „Heeeey Du darfst nicht soooo lange Pausen machen!“.

  1. Mit nem USB Kabel erwürgen?
  2. Mit nem USB Kabel erwürgen?
  3. Oder mit nem USB Kabel erwürgen?